Trekking und Hiking im Zion National Park

Trekking und Hiking im Zion National Park

Hach, der süße Duft des Geldes, die blinkenden Reklametafeln und die Aussicht auf den schnellen Dollar. Las Vegas, dieses funkelnde Moloch inmitten der Wüste liegt genau auf unserer Route zwischen Joshua Tree und Canyonlands National Park und lässt uns nicht ohne einen Wegzoll passieren. Doch langsam, der Reihe nach.

// Route 66

Nachdem wir den Joshua Tree NP verlassen haben freuten wir uns schon auf unseren nächsten Park und machten uns auf den Weg zum Canyonlands National Park doch es kam alles anders. Der Weg ist das Ziel, wir wissen das nicht erst seit dieser Tour aber es wird einem immer wieder bestätigt und so führte uns die Strecke an einigen interessanten Abschnitten wie dieser Salzwüste vorbei.

 

Salzkrusten im Wüstenboden

Salzkrusten im Wüstenboden

Wahrscheinlich noch berühmter als die Panamericana ist die Route 66 auf der wir ein Stück entlang fuhren und in einem alten Diner anhielten um den Duft der Nostalgie zu inhalieren. An den Wänden hingen Bilder von besseren Tagen als das klassische rot/weiße Interieur noch sauber und die Gäste zahlreich waren. Mit mir als einzigem Gast war nicht viel zu tun und so plauderte ich kurz mit dem Besitzer und fragte, wohl wissend um die Antwort, ob die Duschen die ich in der Toilette gesehen hatte noch betriebsfähig sind. Melancholisches Kopfschütteln ließ den letzten Funken Hoffnung erlöschen während er mir unseren bestellten Kaffee mit heißem Wasser auf Instantpulver in Plastikbecher goß. Ein Tischkalender weckte meine Neugierde. Pin Up Girls im 60 Look räkelten sich auf dem Tresen und den Sitzecken. Wann das aufgenommen wurde wollte ich wissen – “Long Time ago, man“.

Hat schon bessere Tage gesehen - Roys an der Route 66

Hat schon bessere Tage gesehen – Roys an der Route 66

Epic meets Legend - Kalle auf der Route 66

Epic meets Legend – Kalle auf der Route 66

Schuhfriedhof an der Route 66

Schuhfriedhof an der Route 66

Die Strecke schlängelte sich weit ins Land und an wenig befahrenen Straßen entlang. Da wir keine Dusche auftreiben konnten und es angenehm warm war, beschlossen wir im Freien zu duschen. Nicht umsonst hat Kalle eine lange Wasserleitung die man komfortabel außerhalb bedienen kann. Das sind immer wieder diese kleinen, nicht wirklich in Texte transportierbaren, Momente, in denen wir so froh sind uns für einen Road Trip mit Kalle entschieden zu haben.

Autos sind nicht viele unterwegs aber wenn dann sind es dicke fette Jeeps und Geländewagen, Trucks oder sogenannte Motorhomes, das sind diese umgebauten Busse in denen eine komplette Wohnung mit jeglichem Komfort eingebaut ist. Ich kam in den Genuss eines dieser Motorhomes zu besichtigen und es war PERVERS! Meistens ziehen sie zudem einfach nochmal einen SUV hinterher aber ich schweife ab. Jedenfalls, nicht nur auf den Straßen ist supersize angesagt, auch auf den Schienen. Einen Zug mit 15 Wagons zu sehen ist in Deutschland sicher etwas wo man von einem langen Zug sprechen würde. In den USA hängen aber nicht 15 sondern, keine Ahnung, 75 oder 100 Wagons dran und es zieht nicht eine Lok sondern drei vorne, eine in der Mitte und hinten schiebt nochmal was an.

 

Annette winkt dem hupenden Zugführer zu

Annette winkt dem hupenden Zugführer zu

Zug so weit das Auge reicht

Zug so weit das Auge reicht

// Glitter und Funkel

Tja und dann kam da dieses Schild, Las Vegas - nur wenige Meilen entfernt. Ich schaute zu Annette, die schon mit funkelnden Augen das Geld zählte und wusste Bescheid. Blinker an und ab.

Da wir 2011 im Hooters abgestiegen sind wussten wir dass dort ausreichend freie Parkplätze verfügbar sind und darum stellten wir Kalle kurzerhand dort ab um unser Geld, im nah gelegenen MGM, beim Roulette zu vermehren.

Obs geklappt hat? What happens in Vegas, stays in Vegas.

Kalle vor dem Hooters in Las Vegas

Kalle vor dem Hooters in Las Vegas

// Planänderung

Nachdem uns Las Vegas wieder ausgespuckt hatte war es später als gedacht und als ich dann irgendwas von Zion am Straßenrand gelesen hatte fiel mir dieser National Park wieder ein. Da war doch noch was. Also kurz das Navi befragt und tatsächlich war er nur noch wenige Meilen entfernt. Das kam uns sehr gelegen da es langsam dunkel wurde und, ja ich wiederhole mich, wir total flexibel sind wollten wir nun vor Canyonlands dem Zion National Park einen Besuch abstatten. Vorneweg, eine sehr gute Entscheidung. 

So macht das fahren Spass

So macht das fahren Spass

Wir wussten nicht was uns erwartete aber als wir in den Park gefahren sind wurden wir von Rehen auf der Fahrbahn und von imposanten Felsformationen und Bergen begrüßt.

BÄM!

BÄM!

Da freut sich jemand bereits auf die Trails die uns erwarten

Da freut sich jemand bereits auf die Trails die uns erwarten

Die Landschaft sieht zum reinbeißen aus

Die Landschaft sieht zum reinbeißen aus

saftiges Grün, leuchtendes Rot/Orange und deftiges Blau. Das Rezept um uns glücklich zu machen.

saftiges Grün, leuchtendes Rot/Orange und deftiges Blau. Das Rezept um uns glücklich zu machen.

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Interessante Schichten und Strukturen im Fels

// Erkundungstour

Im Zion NP gab es wieder einen first come, first serve Campingplatz in dem wir uns für einige Tage eingenistet und als Basis für unserer Trails, und davon gab es einige, genutzt hatten. Wir erkundeten zuerst das Gebiet und wanderten ohne genauen Vorstellungen durch das große naturbelassene Terrain. Ganz allgemein darf man sagen dass die National Parks in den USA in herausragendem Zustand sind. Es gibt Trails für jeden Anspruch und alle sind entweder sehr naturbelassen gestaltet oder komplett sich selbst überlassen. Zu Beginn gingen wir einige der stärker frequentierten Routen und teilten uns, wenigstens zu Beginn, den Trail mit Touristen (Touristen sind immer nur die anderen). Das dünnte sich dann aber immer schnell aus sobald man zum ersten, ich nenne es mal Etappenziel kam und häufig waren wir dann komplett für uns alleine oder trafen selten auf andere Wanderer.

ein Abschnitt den viele Besucher liefen denn die Aussicht lohnt auch

ein Abschnitt den viele Besucher liefen, denn die Aussicht lohnt auch

runter geht es leichter

runter geht es leichter

schöne Trails, meist steil bergauf

schöne Trails, meist steil bergauf

schon ziemlich weit oben angekommen

schon ziemlich weit oben angekommen

der stolze Blick ins Tal

der stolze Blick ins Tal

Bäume und Pflanzen finden immer ihren Weg. Selbst auf blankem Stein

Bäume und Pflanzen finden immer ihren Weg. Selbst auf blankem Stein

Auf der genau gegenüberliegenden Seite die wir betrachten waren wir zuvor.

Auf der genau gegenüberliegenden Seite, die wir betrachten, waren wir zuvor.

das sieht sehr friedlich aus aber da oben wehte ein ordentliches Lüftchen

das sieht sehr friedlich aus aber da oben wehte ein ordentliches Lüftchen

// Nicht jeder darf

Es gibt allerdings auch Trails die man nicht einfach gehen darf da man dafür ein Wilderness Permit, also eine Genehmigung, benötigt. Dazu gehört auch die unter Fotografen gern besuchte Subway. Getreu dem Motto, Subway, Shot fresh (naja, sehr flach) wollten wir da natürlich hin. Diese Permits werden in einer Art Online Verlosung vergeben. Das heißt man stellt, für eine Gebühr von $5, einen Antrag für seinen Wunschtermin und dann wird ausgelost wer rein darf und die eigentliche Gebühr für das Permit wird fällig. In der Regel ist bis 3 Monate im voraus alles belegt da nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern zugelassen ist. Alternativ kann man ins Visitor Center gehen und dort sein Glück für einen LastMinute Permit versuchen. Wir hatten Glück, es waren Permits verfügbar und so wurden wir über den Trail informiert und bekamen unser Permit was im Endeffekt eine Plakete ist die man am Trailhead im Fahrzeug hinterlässt damit der Ranger weiß dass man bezahlt hat.

Pro Tipp:

Wenn jemand kein Permit bekommt, egal für welchen Park/Trail dann kann er einfach weit weit weg parken und eine Stunde mehr hiken (was bei den Distanzen auch nicht mehr ins Gewicht fällt) und sein Wunschziel trotzdem erreichen. Das hat allerdings einen nicht zu unterschätzenden Nachteil. Die Permits werden für Gebiete vergeben in denen schon mal was passieren kann und nicht unbedingt ständig Leute durchlaufen. Das heißt wenn was passiert weiß niemand wo man sich aufhält und dementsprechend kann einem auch nicht geholfen werden. Erinnert euch mal an den Film 127 Hours.

// Shit happens

Der ein oder andere, zu denen ich mich auch zähle, spielt die Gefahr runter weil man selbst ja nicht so ungeschickt oder unbeholfen ist und solche Dinge nur anderen Leuten passieren. Tja, das haben die Leute die uns beim Abstieg begegnet sind sicher auch gedacht doch sie haben sich zweifelsfrei geirrt. Ein Ranger musste sie nach oben begleiten weil sie nicht mehr aus dem Tal gefunden haben und die Nacht im Canyon verbringen mussten. Glück im Unglück, sie hatten ein Handy und konnten Hilfe rufen. Sie waren sicher nicht in Lebensgefahr aber eine Nacht ohne Zelt oder Schlafsack und möglicherweise ohne ausreichend Proviant, Wasser und Feuer verirrt im arschkalten Canyon zu verbringen ist eine Erfahrung die sie sicher nicht so schnell vergessen werden.

Wir selbst genossen den Trek, der im wesentlichen daraus besteht dem Flußlauf zu folgen, setzen aber sicherheitshalber einen GPS Wegpunkt beim Aufstiegspunkt um diesen nicht zu verpassen.

Der Subway "Trail" besteht darin dem Fluß zu folgen.

Der Subway “Trail” besteht darin dem Fluß zu folgen.

"The Crack" eine Spalte im Boden durch die Wasser fließt

“The Crack” eine Spalte im Boden durch die Wasser fließt

Die Pools innerhalb der Subway

Die Pools innerhalb der Subway

 

// Der Groschen fällt

Unser Fazit für diesen Park fällt durchweg positiv aus. Wir haben hervorragende Trails genossen und auch der Campground war in Ordnung. Da das unser zweiter Nationalpark auf diesem Roadtrip war hatten wir noch nicht die Erfahrung die wir jetzt haben und hatten hier noch für den Stellplatz bezahlt. Die Kosten waren mit $16 pro Nacht aber doch recht ordentlich für die spärliche Ausstattung.

Als wir eines Abends zu unserem Stellplatz wollten, stellten wir fest, dass sich ein anderes Auto dort breit gemacht hatte obwohl wir alles korrekt hinterlegt und markiert hatten. Auf mein Klopfen am Fahrzeug wurde nicht reagiert und so habe ich den Platzverantwortlichen aufgesucht, um Nachzufragen wo wir alternativ stehen dürfen. Das war das Schlüsselereignis, denn dieser erzählte mir, dass das ständig passiert und man etwas wie einen Stuhl oder Geschirr am Platz zurücklassen soll, um zu kennzeichnen, dass man hier noch steht. Ich merkte an dass wir doch den notwendigen Schein, sozusagen die Quittung, am Campground befestigt hatten wie es auch Pflicht ist und dies doch der Nachweis ist, worauf er erwiderte dass das einfach abgehangen wird und er darüber keinen Überblick hat.

Diese Info war für uns Gold wert.

Ich stieg in seinen Camper-Golf-Caddy-Gefährt und bin mit ihm den Platz nach einem neuen Stellplatz abgefahren, den wir dann übernehmen durften. Das war das letzte Mal auf der Reise, dass wir in den USA für einen Stellplatz bezahlt haben.

9 Kommentar bisher

  1. Yannick Autor April 1, 2014 (7:35 am)

    Hey M.,

    coole Seite…werde öfters mal vorbeischauen!

    Viel Spaß weiterhin bei eurem Trip!

    Grüße,

    Yannick

    Antwort an Yannick
    • mh Autor April 1, 2014 (7:38 am)

      Tach Yannick!

      Sauber, freuen wir uns.
      Danke und bleib fröhlich

      Antwort an mh
  2. Anja Autor April 1, 2014 (10:03 am)

    Wow ich bin total begeistert..
    Soviel Input und vor allem soooo tolle Fotos..
    Es ist doch schön mal zu sehen was die USA so neben Fast Food und Supersize Sachen noch alles verbirgt!
    Es ist schon anders als so ein Touri-Sight-Seeing-Urlaub :)
    Wünsche euch weiterhin viel Spaß!!!

    Antwort an Anja
    • mh Autor April 1, 2014 (10:54 pm)

      Hallo Anja, deine Begeisterung begeistert uns. Ja, ein Kumpel hat mal gesagt: “Die Amis haben einfach keine Fresskultur” und das stimmt wohl größtenteils aber Landschaftlich und Menschlich wird hier wirklich einiges geboten das muss man neidfrei anerkennen. Danke für deinen netten Kommentar.

      Antwort an mh
  3. Nicole Autor April 2, 2014 (9:52 am)

    boaaaaahhhh MH das ist der Hammer – ich sagte doch, deine Bilder sind unglaublich…ich platze fast vor Neid!!! Ganz Liebe Grüße von den Kollegen …

    PS. das du überhaupt Zeit findest uns so genial auf dem Laufenden zu halten !! Respekt!

    BB

    Nic

    Antwort an Nicole
    • mh Autor April 2, 2014 (8:23 pm)

      Danke aber bitte nicht platzen an deinem Geburtstag. :)
      Das mit dem zeitnahen Berichten ist so ne Sache, da hast du Recht aber es kommt alles tröpfchenweise.

      Beste Grüße zurück!

      Antwort an mh

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  1. von Gemälden auf Stein, Himmlischen Inseln und toten Pferden | Capitol Reef, Canyonlands und Dead Horse | PANAMERICANA {deluxe} April 10, 2014 (9:44 pm)

    […] wenn wir in diesen Parks im Vergleich zu den vorher Besuchten, im speziellen dem Zion NP, möglicherweise schon etwas gesättigt und verwöhnt waren und diese nicht unbedingt zu unseren […]

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