Walheimat | San Ignacio und seine Lagune

Walheimat | San Ignacio und seine Lagune

Wir wussten nun zwar dass es sehr viele Grauwale zum Kalben hier an die Mexikanische Küste zieht, gingen aber davon aus, dass wir den Zeitpunkt um wenigstens einen Monat verpasst hatten. Das war zwar schade aber auch nicht weiter tragisch. Dass wir bereits in der gleichen Woche noch ein unvergessliches Walerlebnis haben sollten, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber der Reihe nach..

// Die Oasenstadt San Ignacio

Als nächster Stop auf unserem Panamericana Road Trip lag die Oasenstadt San Ignacio. San Ignacio liegt relativ im Zentrum der Baja California Sur und daher fuhren wir ohne Blick aufs Meer, dafür auf endlos erscheinenden Straßen durch eine karge, felsige Wüstenlandschaft. Umso krasser war der erste Eindruck als uns die Ortschaft das erste Mal ihr grünes Gesicht zeigte.

San Ignacio, mit seinen gerade mal 700 Einwohnern, erscheint auf den ersten Blick wie ein angelegtes Resort, eine Perle der Baja. Dreckig zwar aber durch die Palmen, Pflanzen und vor allem den Fluss der aus dem Nichts zu fließen scheint, wunderschön.

So etwas erwartet man nicht in der Wüste

So etwas erwartet man nicht in der Wüste

Auch die Ortschaft selbst ist sehr überschaubar aber herrlich authentisch Mexikanisch. Schmale, mit Kopfsteinpflaster bedeckte Gassen, die vom Marktplatz aus, an kleinen Cafés und “Tante Emma Läden” (die gibt es in Mexiko noch) vorbei, zu einfachen aber schön hergerichteten Häusern führen. Eine alte Jesuiten Mission ziert das Zentrum und ist der Stolz der Gemeinde.

Jesuiten Mission im Stadtzentrum

Jesuiten Mission im Stadtzentrum

Die Campingplätze sahen so einladend aus, dass wir zur Abwechslung nicht wild campierten sondern uns kostenpflichtig auf einem Platz einfanden. Für unser Geld bekamen wir zwar weder Strom noch WLAN aber dafür Duschen und vor allem einen herrlichen Schlafplatz unter Palmen direkt am Fluss.

Campingplatz mit Blick

Campingplatz mit Blick

Außerdem gab es einen Kajak Verleih und wir nutzten gern die Möglichkeit den Fluss entlang zu paddeln. Es ist wirklich interessant wenn man sich vor Augen hält wo man sich befindet. Die Augen sehen zahlreiche zwitschernde Vögel auf umgestürzten Bäumen im Wasser sitzen, Links und Rechts befindet sich dichtes Gestrüpp aus dem Frösche quarken, Palmen säumen den Weg und im Wasser fliehen Fische vor unseren Paddelschlägen. Man kommt sich vor als ob man im Amazonas fährt und doch weiß man, dass nur etwa 100m weiter nichts als trockener Wüstenboden ist.

Wasser ist Leben, das bekommt man hier anschaulich vermittelt.

Kajak fahren in der Wüste

Kajak fahren in der Wüste

// Auf zur Laguna San Ignacio

Auch San Ignacio kann mit einer Lagune aufwarten. Wir wussten das bereits und wollen die ca. 70 km entfernte Laguna San Ignacio ohnehin besuchen aber als wir von einer Einheimischen erfuhren, dass dort auch Whalewatching Touren angeboten werden und sie uns vor allem den Mund wässrig machte, indem sie uns darauf hinwies, dass noch immer zahlreiche Wale vor Ort wären, hatten wir einen weiteren Anreiz. Vielleicht wird es ja doch noch was mit einer Walsichtung.

Die Fahrt zur Lagune führte über eine anfänglich unasphaltierte Schotterpiste, die sich auf den letzten 20 km in einen nahezu frei befahrbaren Sandweg entwickelte. Der Sand war nicht sehr tief und es gab zahlreiche Fahrspuren, so dass Kalle keine Probleme hatte das Ziel zu erreichen. Das Ziel war allerdings anfänglich gar nicht so klar definiert, denn zur Hauptsaison gibt es mehrere Anbieter die hier Touren anbieten und da es doch ein gutes Stück vom nächsten Ort entfernt ist, gibt es vereinzelt kleine Siedlungen mit ca. 6 Häusern. Die ersten beiden Touranbieter, die wir anhand aufgestellter “Whale Watching” Schilder als solche ausmachten, konnten uns keine Tour anbieten. Wir haben nicht so ganz verstanden warum aber wir vermuten, dass ihnen die Genehmigungen für die Offseason fehlt.

Aufgeben ist nicht und als wir die Info bekamen, dass es einen Anbieter gibt der noch Touren durchführt, hatten wir Blut geleckt und machten uns weiter auf die Suche. Schließlich wurden wir belohnt. Wir kamen an ein Bungalow Camp und fragten ob hier Touren angeboten werden und tatsächlich, wir waren richtig. Eine Tour könnten wir direkt morgen früh mitmachen. Kostenpunkt für uns beide: 1000 Pesos. Fix auf 800 Pesos runtergehandelt und Hand drauf.

Ein Bungalow haben wir natürlich nicht gemietet sondern die Nacht in Kalle geschlafen. Die Annehmlichkeiten wie sanitäre Anlagen, Duschen und Restaurant nahmen wir jedoch gerne in Anspruch.

Es gibt viele unterschiedliche Duschen die wir in Mexico bisher erleben durften, die häufigsten sind einfach ein riesen Fass auf dem Dach mit einem Ventil in der Decke des unterliegenden Raumes. Ventil aufdrehen, Wasser läuft nach unten und durch die Hitze tagsüber ist das Wasser sogar warm. Warum nicht? Funktioniert! Diese Dusche hier war aber nochmal anders und eine Premiere für uns. Das Wasser wird durch ein raffiniertes Röhrensystem aufgeheizt und man zapft sich einfach einen Eimer Wasser für die Dusche ab.

Und die Premieren nahmen kein Ende, denn interessanterweise war das Wasser in der Bucht, trotz Pazifik, auch so angenehm warm, dass wir endlich zum ersten Mal in Mexico schwimmen konnten.

Sonnenuntergang in der Laguna San Ignacio

Sonnenuntergang in der Laguna San Ignacio

// Her mit den Walen

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Die Whale Watching Tour stand auf dem Plan. Am vorigen Abend hieß es, die Tour startet um 9:00 Uhr. Als wir um 9:00 auf der Matte standen waren wir aber ziemlich einsam. Als ich dann fragte wann es losgeht, hieß es 10:00 Uhr plus/minus eine Stunde.

Mexiko, herrlich! Dagegen bin ich sogar pünktlich.

Die Crew bestand aus einem Amerikanischen Ehepaar mit ihren beiden Kindern, zwei Mexikanern dem Kapitän und uns beiden. Das Boot war eine kleine Nußschale und sah für uns nicht unbedingt so aus als ob man damit zu nah an einen Wal fahren sollte. Wir hatten uns bereits am vorigen Abend mit dem Ehepaar unterhalten, die die Tour heute zum dritten (!) Mal in Folge machten und uns erzählten was auf uns zukommt, wir waren gespannt. Annette hatte ordentlichen Respekt, freute sich aber genau wie ich auf die Tour.

Wir fuhren ziemlich weit raus, konnten aber noch Land sehen und als dann der erste Wal auftauchte steuerte der Kapitän vorsichtig auf das Tier zu. Ich hatte mein Teleobjektiv (Tamron 70 –300) aufgesetzt, weil ich hoffte so die Wale am besten fotografieren zu können. Falsch gedacht, die Wale waren so nah, dass das Tele völlig kontraproduktiv war. Niemals hätten wir mit dem gerechnet was sich hier abspielte. Der Wal stellte sich als Mutterwal mit Nachwuchs heraus und scheinbar hatten diese Tiere noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht, denn sie kamen so nah ans Boot dass wir schon fast zur Seite rücken mussten weil wir dachten er will sich reinsetzen. Ich übertreibe nicht, das mächtige Tier rieb sich am Boot, tauchte darunter hindurch und hätte uns mit dem zucken seiner Schwanzflosse zum Kentern bringen können. Stattdessen genossen die beiden offenbar die Zuneigung und ließen sich minutenlang von uns streicheln und klopfen. Unglaublich!

Der Kopf des Wals war so nah an meinem Gesicht, dass ich die volle Ladung seiner Fontäne abbekam, als er atmete.

Das Erlebnis war mehr als wir uns erhofften und diese Tour Whale Watching zu nennen ist die blanke Untertreibung. Whale Touching ist hier weit zutreffender.

Nach der Tour bleibt man ehrfürchtig zurück und es ist schwer zu begreifen, wie ein so mächtiges Tier so gefühlsvoll und sanft zu uns Menschen sein kann, während in einigen Teilen der Welt noch immer massivster Maßenmord an diesen Gentle Giants durchgeführt wird.

Sollten wir nochmals die Möglichkeit haben einem Wal in freier Wildbahn, so unaufgedrängt begegnen zu können, wollen wir es auf jeden Fall wiederholen.

7 Kommentar bisher

  1. Stefan K Autor Mai 26, 2014 (9:42 am)

    Ein sehr beeindruckender Bericht, vor allem euer “Whale Touching”. Es liest sich einfach unsagbar gut, dass es noch Ecken auf dieser Welt gibt, auf denen sich Mensch und Tier so begegnen können… Zugegeben, mir fehlen ein wenig die Worte und um diese Erfahrung beneide ich euch wohl am meisten auf eurer Tour. Zumindest bis jetzt ;-)

    Antwort an Stefan K
    • mh Autor Juni 6, 2014 (10:57 pm)

      Das war wirklich ne echt geniale Nummer und wir haben definitiv Blut geleckt. In La Paz wollten wir daraufhin mit Walhaien tauchen aber leider waren wir zu spät dran. Mal sehen ob wir noch eine Chance für so etwas bekommen. Auf jeden Fall etwas das man denke ich nicht so schnell vergisst (und bei meinem Gedächtnis soll das was heißen).

      Antwort an mh
  2. Dominik Autor Juni 9, 2014 (5:51 pm)

    Hi ihr zwei,

    dieser Reisebericht schlägt die Bisherigen ja um Weiten. Begeistert lese ich ihn gerade das 3te Mal und ergötze mich an den schönen Bildern. Die Berichte sind ein willkommener Ausgleich zu Uni, HItze und Co. HItze??! Ja Ihr lest richtig die letzten 3 Tage sticht der Planet auf die beschauliche Metropole an der Dreisam, das es eine Wonne ist. Bei 35° und mehr verbringen Steffi und ich jedoch die meiste Zeit damit den ganzen Theorie-Kram nach und nach zu Papier/PC zu bringen *Seufz*. Aber uns bleiben die langen Abende und kleine Spaziergänge zum Schönberg.
    Bisher eingetroffe Postkarten werden sorgsam neben anderen wichtigen Dokumenten gelagert und bilden vielleicht die Grundlage für eine schöne Collage…wir werden sehen.

    Wir wünschen Euch noch eine gute weitere Reise die Baja entlang und warten gespannt auf die neuen Berichte.

    LG
    Stefanie und Dominik

    Antwort an Dominik
    • mh Autor Juni 18, 2014 (10:13 pm)

      Ahh.. Grüße aus der Heimat, das tut gut :)

      San Ignacio war echt der Oberhammer. Das bleibt hängen. Ist sicher hart aktuell bei Euch in der “heißen” Phase aber bald ists ja geschafft, durchhalten! Hauptsache ihr habt euch schön eingelebt und könnt immerhin Abends ein wenig flanieren.

      “neben anderen wichtigen Dokumenten” hahaha.. ihr seid die Besten! Es kommen sicher noch ein paar, das mit der Collage könnte klappen. :)

      Gruß zurück von uns beiden!

      Antwort an mh
  3. Jogi R. Autor Juni 12, 2014 (10:54 am)

    Hallo!
    Über MH’s Fotos im DSLR-Forum bin ich hier gelandet. Sehr schöne Fotos, eine sehr ordentliche Website, nette Berichte … macht Spaß, darin zu stöbern und vom eigenen, nächsten Trip zu träumen. An die Baja will ich nämlich auch noch.
    Da ich auch schon viele Jahre einen VW-Bus habe ( http://www.jr-teams.com/vanlife.html ), interessiert mich natürlich auch eurer. Und zwar: Welchen Motor hat euer Bus? Ich nehme mal an – da kurzer Vorderwagen -, es ist ein 2,4D mit 77PS oder ein Benziner? Für eine solche Reise wäre das ja die sinnvollste Technik.
    Euch noch viel Spaß und “safe travels”!
    Jogi

    Antwort an Jogi R.
    • mh Autor Juni 18, 2014 (10:32 pm)

      Hallo Jogi, mit dem Namen lebt sichs momentan sicher besonders gut :)

      Geiler Van, Hut ab. Man merkt du hast Ahnung denn du hast sicherlich nicht zufällig voll ins Schwarze getroffen. Es ist wie du sagst die Diesel Version. Robust und Genügsam. Keine Elektronik die das zeitliche segnen kann und wir haben uns sagen lassen – nahezu unzerstörbar! Wir werdens raus finden. (Hoffentlich nicht zu bald).

      Danke für dein Lob und die Baja können wir mit ruhigem Gewissen empfehlen.

      Antwort an mh

Trackbacks & Pingbacks

  1. Ein Fischerdorf mit Geschichte | Mulege | PANAMERICANA {deluxe} Juni 20, 2014 (11:33 pm)

    […] Begegnung mit den imposanten Grauwalen beschwipst fuhren wir guter Dinge weiter. Nachdem die Laguna San Ignacio an der Westküste liegt fuhren wir nun eben einmal quer über die Baja an die […]

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