von Kriegern und Hasen | Guerrero Negro und die Laguna Ojo de Liebre

von Kriegern und Hasen | Guerrero Negro und die Laguna Ojo de Liebre

Wir hatten uns an den Kakteen in Catavina zwar noch nicht völlig satt gesehen, wollten aber nach all der Hitze und Trockenheit endlich im Meer schwimmen. Im Norden war der Pazifik zu kalt dafür und wir sehnten uns langsam nach den tollen Badestränden im Süden.

Die Mexikanische Halbinsel auf der wir aktuell unterwegs sind, besteht aus zwei Staaten. Baja California im Norden und Baja California Sur im Süden. Nachdem wir bisher im nördlichen Teil unterwegs waren führte unser neues Etappenziel, Guerrero Negro, uns über die Staatsgrenze nach Baja California Sur.

// Leichenschmaus

Auf dem Weg dorthin ging es aber zuerst nochmal in guter Western Manier weiter. Wir passierten einige Ranches und wo Rinder leben, da sterben auch Rinder. Nicht immer scheiden sie durch einen Auftragsmord, durch die routinierte Hand eines Metzgers, hin und wieder verdursten sie oder werden angefahren und verenden qualvoll in der Hitze. Aber in der Natur wird nichts verschwendet. Das Leid des einen ist die Freud des anderen. Geier und Insekten kümmern sich zwar rasch um die Kadaver aber beeilen müssten sie sich indes nicht. Von Menschenhand wird kein totes Tier das weiter als 100 Schritt von einem Haus verendete, weggeräumt.

// Grenzwertig

Beim wechseln der Staaten fuhren wir an einem kleinen Zollhäuschen vorbei und kurioserweise interessierte man sich dort fast mehr für uns als beim Grenzübertritt von den USA. Wir wurden gefragt ob wir Obst und Gemüse mitführen, durften noch eine Gebühr von 20 Pesos bezahlen, bekamen eine Quittung, mussten das Fenster schließen und durften weiterfahren. Fragt mich bitte nicht was es mit dem Fenster auf sich hatte, wir haben nach wie vor keine Idee.

// Militarisierte Zone

Weils grad reinpasst: Militärkontrollen hatten wir häufiger. Habe ich bisher gar nichts dazu geschrieben, also aufgepasst.

Es läuft immer nach dem selben Muster ab. Man sieht einige Hundert Meter vor der Kontrolle ein Schild dass hier gleich Militär steht. Dann fährt man auf eine Straßensperre zu und darf ca. 20 voll ausgerüstete Männer (und vielleicht auch gut getarnte Frauen) in kompletter Kriegsausrüstung bewundern. Helm, Westen, voll in Camouflage gehüllt mit dem MG im Anschlag. An der Seite stehen zusätzlich immer noch die, zugegeben etwas in die Jahre gekommenen, Militärfahrzeuge und häufig werden gerade ein paar Leute mitsamt ihren Fahrzeugen gefilzt. Ich bin totaler Zombie Fan und deshalb erinnert mich das immer an die Militärs die in den einschlägigen Filmen das Krisengebiet abriegeln. Es fehlen nur die Zelte aus denen die Forscher mit Atemschutzmasken und besorgtem Blick herausschauen.

Auf jeden Fall passiert man dann diese Kontrolle und wird gefragt wo man herkommt und wo man hin will. Passt ihnen das dann wird man durchgewunken und kann passieren. Andernfalls wird man gebeten rechts ran zu fahren und das Fahrzeug wird gefilzt. Wir hatten bisher 4 oder 5 Kontrollen aber nur bei der allerersten wurden wir auf die Seite gebeten. Es wurde dann an ein paar Stellen im Kalle geklopft und sich innen drin ein wenig umgesehen.

Ich sag mal hätten wir wirklich Drogen geschmuggelt, hätten sie sie nicht gefunden.

// Auf zur Lagune

Gut, aber wir waren eigentlich beim Staatenwechsel zur Baja California Sur. Als wir passierten, stellten wir die Uhr um (andere Zeitzone) und fuhren in die Ortschaft Guerrero Negro, was übersetzt “Schwarzer Krieger” heißt. Cooler Name wie ich finde. Der Ort ist jetzt nicht sooo pralle aber es gibt dort eine echt feine Lagune, die für ihre Dünen und die dort kalbenden Wale bekannt ist, die Laguna Ojo de Liebre (übersetzt “das Auge des Hasen”). Wir schrieben ja bereits in unserem Big Sur Artikel dass die Wale nach Norden zogen und viele von ihnen kamen genau von dieser Ecke in Mexico.

Auch für Vögelfreunde ist dieses Gebiet ein Dorado. Angelegte Brutstätten und reiche Fischgründe lassen unterschiedlichste Arten hier zahlreich brüten.

Der Kopf ist für Mama

Der Kopf ist für Mama

den Rest bekommt der Nachwuchs

den Rest bekommt der Nachwuchs

 

Die Lagune ist zwar kostenlos zu besuchen aber man braucht, ähnlich wie in einigen Nationalparks der USA, ein Permit damit einen der Wächter mit dem Fahrzeug passieren lässt. Es ist immer wieder interessant wie man mit Geduld und Beständigkeit an diese Informationen kommt, denn der “Wächter der Lagune” wie ich ihn gern nannte, konnte kein Englisch und wir, ich werde es nicht Leid zu wiederholen, können (noch) kein Spanisch. Mit Händen und Füßen, Wörterbuch, Stift und Zettel haben wir schließlich verstanden und wussten sogar wo wir die Genehmigung her bekamen. Es stellte sich dann, ähnlich abenteuerlich, heraus dass die entsprechende Stelle leider erst Montag wieder besetzt ist – ein Blick auf den Kalender verriet, es war Freitag.

Arghs, im normalen Leben sehnen wir meist das Wochenende herbei, auf Reisen ist es schon fast lästig.

Wir versuchten nochmal ohne ein Permit unser Glück, doch der Wächter der Lagune blieb hart.

Allerdings kein Grund zu verzagen, denn er erklärte uns dass es noch einen anderen Eingang zur Lagune gibt der ohne Permit zugänglich ist, einige Kilometer weiter südlich. Wir wissen zwar nicht wo der Unterschied bestand und ob man möglicherweise auf die andere Seite der Lagune kam aber es war uns auch egal, Hauptsache rein.

die schmale Passage bildet den Zugang

die schmale, salzverkrustete Passage bildet den Zugang

Durch das Filtern entsteht irgendwie dieser Schaum

Durch das Filtern entsteht irgendwie dieser lecker aussehende Schaum

Rund um die Lagune wird Salz abgebaut und die Mineralien färben die zahlreichen Wasserbecken in den buntesten Farben. Rein optisch fühlten wir uns ein wenig an Myvatn in Island erinnert, nur ohne den starken Schwefelgeruch- zum Glück!

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Da die Saison von Januar bis März ist und wir im April dort waren, war der Campingplatz geöffnet aber nicht besetzt. Gut für uns, wir konnten uns also kostenlos einen schönen Platz, direkt an den Dünen, aussuchen. Wale konnten wir keine entdecken aber wir haben noch nie so viele unterschiedliche Muscheln an einem Strand gesehen.

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ein Schlafplatz nach unserem Geschmack

 

Das Gebiet ist weitläufig aber zum Wandern nur bedingt geeignet. Wir begnügten uns damit Kalle durch das Gelände zu bewegen und er machte uns erneut keine Schande.

 

Da wir uns nun im Südlichen Teil der Baja California befanden, hatten wie die Hoffnung dass es bald Playas gibt an denen wir Schwimmen können. Wollen wir mal sehen.

6 Kommentar bisher

  1. Sebi Autor Mai 21, 2014 (8:44 pm)

    Ja geil, schön von Euren Abenteuern zu lesen! Weiter so and take care! :-) Grüße an Bus und Deine bessere Hälfte

    Antwort an Sebi
    • mh Autor Mai 21, 2014 (9:20 pm)

      Muchas Gracias! Wir taken immer Care, ist doch selbstverständlich. Grüße werden feierlich überbracht :)

      Antwort an mh
  2. Andrea Flacke Autor Mai 22, 2014 (10:34 pm)

    Hallo Matthias und Annette!
    Euer Blog, die website ist der Hammer! Chris und ich haben schon länger davor gesessen und rumgescrollt, die wundervollen Fotos angeschaut. Sehr kreativ! Hut ab!
    Wir sind die zwei, die ihr am playa “pescadero” bei Todos Santos getroffen habt, Chris und Andrea . :))
    Eure ersten Mitfahrer, wenn auch nur für nen ride nach Todos…
    Auf unseren Mexico Reise haben wir uns immer wieder an Euch erinnert, wo sind sie wohl jetzt?
    Ich habe auch ein paar Bilder von Euch gemacht, wie schicke ich sie Dir? Sorry bin nur user kein knower… Vielleicht per facebook?!
    Unser Urlaub war ein Erfolg auch wenn wir ohne Auto in Baja nicht weit kamen und somit einen kleinen Fehlstart hatten.
    Wir freuen uns von Euch zu hören,schauen, lesen.
    Annette, weisst Dunnoch wie Handstaubsauger heisst oder hast Du schon einen organisieren können?
    -Vaporasidor de mano-
    Für jegliche sprachlichen Barriereüberwindungen stehe ich Euch sehr gerne zur Verfügung!
    Bis bald= hasta pronto
    Andrea+ Chris

    Antwort an Andrea Flacke
    • mh Autor Juni 6, 2014 (11:02 pm)

      Heeeey Andrea, ist ja mal voll geil von dir/euch hier zu lesen. Echt toll dass ihr vorbei schaut. Ihr wart nicht die letzten Mitfahrer aber den Status der ersten kann euch keiner mehr nehmen :) hehe

      Du kannst mir die Bilder per Mail schicken wenn du magst mail [at] panamericana-deluxe.de aber lass auf jeden Fall auch auf Facebook verbinden. https://www.facebook.com/mh.im.web.2.0

      Freut uns dass ihr noch ne gute Zeit hattet, wir haben aber auch nix anderes erwartet :)
      Annette hat übrigens einen Handstaubsauger gefunden aber der taugte einfach nix und hat uns erstens eine Sicherung geschrottet und zweitens auch null Dampf gehabt. Haben wir wieder zurückgegeben. Müssen halt als mit regulären Staubsaugern aussaugen wo wir einen finden. Unser Spanisch ist immer noch unterirdisch aber wir üben fleissig. Irgendwie kommt man halt mit den paar Brocken doch zurecht. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße von uns beiden, auch an Chris.

      Bleibt fröhlich und bis bald mal wieder

      Antwort an mh
  3. Heiko Neukirchen Autor Juli 6, 2014 (11:18 pm)

    Das ist ja schlimmer wie The Walking Dead… ich lese schaue lebe euren Reisebericht und hab Angst das er gleich schon rum ist… am meisten befluegelt mich wie unbedarft ihr teilweise ran geht und “es laeuft”. Auch ohne spanisch oder nur mit Aloe Vera im Selbstversuch…lol… das macht Mut den eigenen Trip an zu gehen :) Die Militaerkontrollen sorgen doch sicher fuer Gaensehaut ?

    Antwort an Heiko Neukirchen
    • mh Autor Juli 10, 2014 (7:52 pm)

      Hehe.. die dazugehörigen Zombies hatten wir in LA :) Nee, ernsthaft – Danke für das Lob!
      Du sprichst da wahres. Wir hatten uns im Vorfeld nicht erhofft dass es ohne Plan wirklich so gut laufen kann. Es ergibt sich einfach alles. Hätten wir vorgeplant (wir hatten nen groben Zeitplan gemacht – total fürn Arsch) hätten wir das eh zigmal übern Haufen werfen müssen. Das kann man einfach nicht planen ohne sich komplett einzuschränken.

      Militär war am Anfang ungewohnt aber bisher hatten wir keine schlechte Erfahrung mit Militär oder Polizei und da wir kein Dreck am Stecken haben gehen wir die Kontrollen völlig relaxt an.

      Antwort an mh

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