Es spritzt und keimt | Ensenada und San Quintin

Es spritzt und keimt | Ensenada und San Quintin

“Verdammt, warum sagten mir alle die in Mexico waren, dass es dort so schön ist?”

Das waren meine Gedanken als wir von der Grenzstadt Tijuana los fuhren um unseren Roadtrip entlang der Baja California zu starten.

Dass der Einstieg und somit die ersten Tage in Mexico nicht so verliefen wie wir uns das vorstellten, das wisst ihr schon, aber da wir nun einen ungefähren Plan hatten wo wir hin wollten waren wir zuversichtlich dass es nun Bergauf geht.

// Der Aufbruch

Wir bekamen von einem Einheimischen den Tipp, dass es unweit der Stadt Ensenada etwas interessantes gibt das wir uns ansehen sollten und tatsächlich, als wir ihn so reden hörten wurden wir neugierig. Er erzählte von einem Ort an dem das Wasser, begleitet von einem lauten Knall, viele Meter unkontrolliert nach oben schießt. Niemand wüsste warum und wie das passiert und es ist ein wahres Spektakel. Sein Englisch war besser als unser Spanisch aber nicht gut genug um ihm weitere Informationen entlocken zu können und wir dachten es handelt sich wohl um eine Art Geysir. Er schrieb uns den Namen auf – La Bufadora. Klingt gut, also hin.

Ensenada ist die nächstgrößere südliche Stadt und ungefähr 1 1/2 Autostunden von Tijuana entfernt. Es gibt nicht so viele große Städte auf der Baja California aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Noch bevor wir dort ankamen empfing uns der Christ of the Sacred Heart, ein überdimensionaler Jesus Christus, mit weit geöffneten Armen und ich beschloss endlich mein erstes Bild jenseits der Mexikanischen Grenze zu schießen. Links Jesus, rechts das Meer und vor uns.. Finden wirs endlich raus!

Fast so schön wie in Rio

Fast so schön wie in Rio

// Viel los in Ensenada

In Ensenada angekommen waren wir zwar positiv überrascht, denn die Stadt machte einen gepflegten Eindruck, es gab eine schöne Promenade und viele tolle Restaurants und Boutiquen aber wie gesagt, wussten wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich weiter zu würdigen, da wir davon ausgingen, dass das normal ist. Pferdekutschen chauffierten betuchte Touristen durch die Altstadt, Hotels offerierten Stundenpreise für die schnelle Nummer zwischendurch und am Strand patrouillierten Rettungsbote. Wir staunten, flanierten ein wenig und ich kümmerte mich um eine TELCEL Karte mit Datentarif um mobil ins Internet zu kommen. Die Mexikaner sind super freundlich und über alle Maßen geduldig. Da wir kein Spanisch sprechen und der Verkäufer kein Englisch, kommunizierten wir einfach mittels Google Translator und das klappte sogar ziemlich gut. Ein Hoch auf die Technik! Ich muss sagen die Netzabdeckung des Providers ist insgesamt auch sehr gut und ich nutze die Karte, in Kombination mit einem Surfstick, bisher ohne Probleme.

Die Gelegenheit nutzten wir dann direkt um uns online über das Mysterium dieses ominösen Geysirs zu informieren. Es stellte sich heraus dass es zum einen kein Geysir sondern eine steile Bucht und zum anderen kein unerklärliches Phänomen ist, sondern dort lediglich die Brandung das Wasser gewaltvoll hochschießt. Das ist ja aber eigentlich nicht weniger spektakulär und darum freuten wir uns trotzdem darauf, auch wenn wir ursprünglich etwas anderes erwartetet hatten. Die Fahrt nach La Bufadora war auch durchaus interessant. Man fährt entlang eines steilen Küstenstreifens und hat einen schönen Blick auf das umliegende Meer und die akrobatischen Flugmanöver der Möwen.

Am Strand von Ensenada

Am Strand von Ensenada

Als wir näher kamen stand ein Junge mitten auf der Straße und winkte uns sehr selbstbewusst mit den Gesten eines Fluglotsen in eine Parkbucht. Ich beäugte ihn skeptisch, denn die Straße ging noch weiter und so beschloss ich ihm freundlich anzuzeigen, dass er besser flott die Straße frei macht was er auch befolgte. Es folgten noch zwei, drei weitere Versuche von weiteren Parkbuchten die wir allesamt links liegen ließen. Wir bemerkten später dass das natürlich private Parkplätze waren und dort eine Parkgebühr erhoben wird, weshalb jeder versucht möglichst viele Fahrzeuge einzuschleusen. Schließlich waren wir tatsächlich am Ende angelangt denn nun standen Mülltonnen in der Mitte der Straße und links und rechts säumte sich Stand an Stand. Ohje, das sieht hier irgendwie überhaupt nicht einladend aus, so ein Getümmel hassen wir. Ein Weiterfahren war nicht mehr möglich, also knallhart auf einen Parkplatz hinter einem der Stände gestellt und dort geparkt. Großes Auto, europäisches Nummernschild, super frech geparkt .. die Aufmerksamkeit war uns Gewiss.

Tatsächlich war der gesamte Platz hier eine reine Touristenmeile. Ja, natürlich wir sind Touris und ja, wir wollen teilweise auch Touri Stuff sehen aber wir wollen das mit Stil machen und uns nicht durch Menschenmaßen kämpfen die uns Ramsch feil bieten als wären wir ein Lannister mit nem Sack voll Gold. Von allen Seiten schrie es “Hey Bro come see this”, “Yo G! Got what you need”, “Honeymooners look here”.. ich hörte sogar Rufe wie “I like your Shirt!” – Oh mann.

Als mir einer, im vorbeigehen, eine Peitsche zum Amigo Preis anbot zeigte ich nur auf meinen Schritt und sagte ich habe schon eine. Zumindest ihn waren wir daraufhin los.

Die Attraktion an sich war total überlaufen. Es war nicht wirklich schlecht und ist irgendwie auch imposant das Wasser nach oben peitschen zu sehen und zu hören während die einen versuchen nicht nass zu werden und die anderen jeden Tropfen lauthals feiern aber das ganze drum herum versaut es einfach.

Annette schaut sich mal näher an

Annette bestaunt das Spektakel

Luft wird unter die Felsen gedrückt und wenn der Druck zu stark wird schießt das Wasser nach oben

Luft wird unter die Felsen gedrückt und wenn der Druck zu stark wird schießt das Wasser nach oben

So ganz fühlten wir uns noch nicht angekommen. Dieser Trubel, diese aufdringliche Art, diese ständige Verteidigungshaltung die man einnehmen muss weil man das Gefühl hat alle wollen einen Abzocken und irgendwas aufquatschen, das strengt an und nervt. Wir wollten nicht länger in Ensenada bleiben sondern endlich das Mexico kennen lernen das wir uns erhofften und auf das wir in einigen wenigen Momenten einen kurzen Blick werfen durften.

// Ruhige Kugel in San Quintin

Endlich wurden wir erhört. Bereits die fast 200 km von Ensenada bis nach San Quintin zeigten uns endlich wie die Baja California wirklich aussieht. Ein großes Anbaugebiet für Früchte und Gemüse. Viele kleine Farmen mit weiten Äcker die nur von Bergen und Strommasten durchzogen werden.

Das gesamte Gebiet ist durchzogen von Äckern

Das gesamte Gebiet ist durchzogen von Äckern

Kleine Farm am Wegesrand

Kleine Farm am Wegesrand

Kalle fährt auf allen Pisten

Kalle fährt auf allen Pisten

Fernab der beiden großen nördlichen Städte erinnerte nichts mehr an das hektische Treiben der vergangenen Tage und das Gefühl, durch einen riesigen Rummel zu spazieren, verblasste von Kilometer zu Kilometer wie eine vage Erinnerung. Als wir in San Quintin, einem kleinen Dorf mit nicht mal 5000 Einwohnern, ankamen suchten wir rasch die Nähe des Wassers auf. Endlich waren wir an einem Ort angelangt an dem wir uns wohl dabei fühlten einfach wieder, wie gewohnt, in Kalle zu nächtigen und nicht mit einem ungutem Gefühl in der Magengegend nach Unterkünften Ausschau halten zu müssen.

So haben wir uns das vorgestellt

So haben wir uns das vorgestellt

Wir fanden einen netten RV Park an einem Meeresausläufer und nisteten uns dort ein. Der Platz war ein guter Einstieg für unser Camping in Mexico so wie es damals der Joshua Tree für die USA war. Wenig hektisch, bis auf die vielen freilaufenden Hunde, die Betreiber und ein Dauercamper keine Seele und eine schöne Landschaft die es zu entdecken gab.

Wir fühlten uns wohl und hatten endlich das Gefühl nun vollständig angekommen zu sein und genossen die Zeit.

Kalle ganz rechts im Bild

Kalle ganz rechts im Bild

Eine Wortmeldung bisher

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  1. Wild West Feeling garantiert | Kakteen in Catavina | PANAMERICANA {deluxe} Mai 20, 2014 (8:11 pm)

    […] haben uns super wohl gefühlt in San Quintin aber der Sinn eines Road Trips ist es voran zu kommen und deshalb machten wir uns wieder auf, den […]

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