Ein magischer Ort | Todos Santos und seine Strände

Ein magischer Ort | Todos Santos und seine Strände

Wer als Künstler auf der Baja was auf sich hält, der wohnte oder arbeitete wenigstens eine Zeit lang in Todos Santos.

Das verschlafene Örtchen im Süden der Baja California Sur ist für seine (Handwerks-) Kunst bekannt. Außerdem steht dort das Hotel California von dem ich dachte es wäre DAS einzig wahre Hotel California. Ihr wisst schon, das von den Eagles.

Ohrwurm jetzt? Gern geschehen!

Nach einer schnellen Internetrecherche (Dank Telcel und Surfstick) wurde ich aber eines besseren belehrt. Das Hotel das die Eagles besangen, war wohl nur symbolisch. Schade. Aber es gab anderes zu sehen.

// Schaffe, Schaffe, Kunst erschaffe

Wie gesagt quillt die Hauptstraße der Stadt über, mit Geschäften die ihre Kunst feilbieten. Kunst ist allerdings immer ein weiter Begriff.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Es verwundert also nicht, dass das meiste Ramsch ist, den man auch sonst überall kaufen könnte. Masken, kleine Figuren, bemalte Teller, das ein oder andere Gemälde über das man seinen Blick schweifen lassen mag aber nichts sensationelles in unseren Augen.

Hin und wieder sind aber auch etwas exotischere Dinge, wie aufwendig geschnitzte Schwerter aus Knochen dabei. Die Kunst scheint hier allgemein eher praktischer Natur zu sein, denn die Lederwaren und Töpfer Sachen sind offensichtlich von guter Qualität.

Wenn man ein paar handgefertigte Cowboystiefel aus feinstem Rindsleder oder wirklich kunstvoll bemalte Teller sucht, dann ist Todos Santos the place to be. Wir begnügten uns zum Leidwesen der Geschäfte aber mit schauen. Im nachhinein eigentlich doof weil wir in Kalle von normalen Tellern essen wie wir sie auch in Deutschland haben. So ein paar individuell gestaltete Unikate würden sicher Annette´s exquisit zubereitete Speisen zusätzlich aufwerten. Naja, es ergibt sich sicher nochmal eine Chance.

 

// Strandromantik

Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplätzchen haben wir Todos Santos in Richtung Süden verlassen. Definiertes Ziel: das Meer. Todos Santos selbst grenzt zwar auch am Meer aber der Strand dort ist zum schwimmen und flanieren weniger gut geeignet. Zu steil.

Bereits nach kurzer Fahrt sahen wir eine kleine unscheinbare Abzweigung in El Pescadero mit einem handgeschmierten, auf halb acht hängendem Schild “Playa –>”.

Der Weg führte vorbei an einer Organic Food Farm und einigen kleinen aber feinen Häusern. Übrigens, denkt nicht dass die Straßen außer der Hauptverkehrsstraße geteert sind oder so. Das sind immer Hügelpisten, Sand- oder Schotterwege mit Schlaglöchern in denen großgewachsene Kinder baden und mit ein wenig Pech ertrinken könnten. Voraussetzung natürlich, es würde mal Regnen was zum Glück äußerst selten vorkommt.

Jedenfalls – ein paar Kurven weiter erblickten wir dann “unseren” Strand und mussten uns erst einmal die Augen reiben. Ein riesiger Küstenstreifen, hier und da eine Palme, ein paar Anwesen die leicht erhöht aufs Meer blicken, ein (wie wir erfuhren) komplett leeres Hotel und sonst nichts. Nichts, außer feinstem Sand und Meer.

Nur wenig ist vergleichbar mit dem Gefühl, von der Rauschsymphonie des Meeres begleitet einzuschlafen und nach dem Aufwachen, auf dem Weg zum morgendlichen Bad im Meer, den warmen Sand unter den Füßen zu spüren. Darum stellten wir Kalle natürlich direkt am Strand ab.

Die folgenden Tagen waren unbeschreiblich schön und die Zeit raste schneller an uns vorbei als uns lieb war. Wir haben gegrillt, getrunken, im Meer mit den Wellen gespielt, sind den Strand entlang gejoggt, haben uns Frisbees und Bälle zugeworfen, mit dem Bodyboard gesurft, gelesen, über das Leben philosophiert, einfach aufs Meer geschaut und jeden Tag aufs neue zelebriert. Das sensationelle – wir feierten unsere eigene exklusive Strandparty. Es war einfach unvorstellbar wenig los. Ich schätze 90% der Zeit waren wir für uns – und wir genossen es.

 

Wir wollen hier jetzt echt nicht zu dick auftragen aber wir unterhielten uns oft darüber, dass dieser Ort einfach magisch ist. Er nahm uns gefangen.

 

//  Lebe lieber ungewöhnlich

Vor allem zum Sonnenuntergang kamen aber doch einige der wenigen Anwohner an den Strand, meditierten dort, liefen spazieren oder verrenkten sich beim Yoga. Da Annette auch Yoga praktiziert, kam sie schnell mit einer Yogini, Sumatra, ins Gespräch.

 

Sumatra ist eine wirklich inspirierende Frau und wie es der Zufall will, Yogalehrerin und Künstlerin. Sie lud uns in ihr Haus ein und war sehr herzlich zu uns. Naja, streng genommen ist es nicht wirklich ihr Haus aber wir wollen mal nicht kleinlich sein.

Sumatra ist ein sogenannter Housekeeper, das heißt sie passt für die in den USA wohnenden Besitzer, in der Abwesenheit auf das Strandhaus in Mexiko auf. Kein schlechter Job, oder? Finden wir auch! Das war auch eines der vielen Themen über die wir uns angeregt unterhielten.

Sumatra machte uns auch mit anderen dort Lebenden bekannt. Man kann sie nicht Aussteiger nennen aber es ist schon ein gewisser Schlag Mensch.

Kir (eigentlich George), aus den USA, war hier am Strand gerade auf spirituellem Fasten und gönnte sich über eine Woche hinweg ausschließlich Zitronen. Nochmal, er aß eine Woche nur Zitronen. Für das war er aber eigentlich noch einigermaßen Fit. Im echten Leben verdient er seine Brötchen als Musiker.  Als er uns einige Tage später eine CD von sich schenkte sagte ich artig Danke, rollte aber schon bei dem Gedanken an den zu erwartenden Hippiesound meine Fußnägel. Ich ging von Panflötenklängen mit Rasselgeschepper und Om Rufen aus. Als wir dann allerdings die ansprechend gestaltete Doppel CD bei einer flotten Fahrt in Kalle eingelegt hatten, staunten wir nicht schlecht. Astreiner (Kuschel-)Rocksound im Stile von Stairway to Heaven. In Anbetracht der Erwartungen überraschend gut.

Lesia und ihr Mann haben sich nach jahrelangem Vagabundenleben an diversen Stränden, nun hier ein Häuschen gebaut, ein Kind gezeugt und vielleicht auch eine Palme gepflanzt. Sie kommt aus der Ukraine, ihr Mann aus den USA und das Kind ist Mexikanisch. Sehr nette, umgängliche Leute die uns sofort offen und nachbarschaftlich empfangen haben.

Wir durften auch ein Pärchen aus Deutschland kennen lernen. Witzigerweise hatten sie sogar schon auf der Herfahrt von “den anderen Deutschen”, also uns, gehört und wir verstanden uns auch auf Anhieb gut.  Andrea ist Stewardess und reist mit Ihrem Freund Chris ein paar angesammelte Bonusmeilen runter. Wir tauschten Erfahrungen und Anekdoten. Es war schön mal wieder Deutsch reden zu können und wir hatten einen tollen Tag. Zum Abschied fuhren wir die beiden zu ihrem Hotel in Todos Santos zurück, und Andrea brachte uns noch ein paar Worte Spanisch bei. Sie waren unsere ersten Mitfahrgäste Smiley

Neben den Angestellten des Hotels die zum kiffen an den Strand kamen, lernten wir auch noch zwei Mexikanische Surfer kennen. Sie kamen in ihrem Jeep angerast, rannten mit ihren Brettern aus den Autos und stürzten sich ins Meer. Ich dachte, fängt gut an und erwartete eine geile Show also schnappte ich mir die Kamera und begleitete die beiden vom Strand aus etwas. Als sie genug hatten, kamen wir ins Gespräch. Carlos ist Surflehrer und ein gar nicht mal so unbekannter lokaler Surfer. Er hat mir einen Strand empfohlen an dem ich das surfen gut lernen kann. Abgemacht, surfen wollt ich eh schon immer mal.

Hier ist ein Video von ihm in Action: https://vimeo.com/66689703

 

// Our House

Wie gesagt war der Platz magisch und der Strand hat uns, insbesondere mich, wirklich total in seinen Bann gezogen. Wir waren über eine Woche dort und gingen nur in die Stadt um einzukaufen. Ich wollte einfach nicht gehen. Wir spielten sogar mit dem Gedanken auch so eine Housekeeping Geschichte zu machen und schauten uns spaßeshalber Häuser und Grundstücke an, die zum Verkauf stehen. Jetzt da wir schon lange weitergezogen sind können wir sagen, dauerhaft dort leben wollen wir nicht, aber das mit dem Housekeeping ist noch nicht vom Tisch.

Ich mein wie geil ist das bitte? Jemand bezahlt dich dafür dass du in seinem Strandhaus wohnst. Da sollte man doch zumindest mal drüber nachdenken, oder was meint ihr?

im Strandhaus

im Strandhaus

 

// Surfen auf der Baja

Annette hatte mich schließlich soweit, dass ich eingesehen habe, dass wir weiter sollten. Aber klare Sache, surfen wollen wir noch. Der Surfstrand ist eine Ortschaft weiter und irgendwie der böse Bruder von “unserem” Strand. Cerritos Beach. Halleluja war da die Hölle los. Muttis, die sich blinkenden Fummel andrehen lassen, Restaurants und Bars die die Preise gleich in US-Dollar angeben und 4 oder 5 dicht gedrängte Surfschulen.

Naja, Carlos arbeitet für Marios Surf School und weil ich mein Wort halte, wimmle ich erst mal alle Konkurrenten die mir einen Kurs geben wollen ab. Carlos hatte an diesem Tag zwar frei aber seine Buddys machten auch einen korrekten Eindruck, so dass wir unsere Entscheidung nicht bereuten. Wir? Ja, Annette surfte natürlich auch mit und zischte direkt die erste “Welle” dank Yoga-Superpower komplett durch. Standing Ovations. Der Strand tobte. Ein Naturtalent. Auch ich machte mich ganz gut, was bei diesen Wellen auch nicht verwunderlich ist. Der Strand ist für Surfanfänger genial, denn das Wasser ist flach genug, dass man bis weit ins Meer stehen kann und die Wellen sind in der Größe überschaubar. Die Technik für das simple paddeln und aufstehen ist nun ja nicht sooo kompliziert und so hatten wir schnell einige kleinere Erfolge.

Klare Sache, vom echten surfen sind wir logischerweise weit entfernt, aber man bekommt ein Gefühl dafür und kann austesten ob es einem Spaß macht.

Si Señor, es macht Spaß. Höllischen sogar. Allerdings geht es auch ganz schön auf die Kondi und so waren wir am Abend richtig amtlich platt. Ein durchaus gutes Gefühl.

 

// Drückt mal jemand Pause

Ein Jahr ist zu kurz! Das ist eh klar.. Gerne wären wir noch länger geblieben aber es gibt noch viel zu sehen und zu erleben. Also dann – weiter gehts.

Wir sind immer noch nicht am südlichsten Punkt der Baja California Sur angelangt, haben noch immer keinen Fuß auf Mexikanische Festland gesetzt und sind noch so weit von unserem Ziel Feuerland entfernt, dass es in diesem Tempo eigentlich nicht weiter gehen kann.

Zwickmühle!

Aber wir verstehen, wenn wir die Panamericana wirklich rocken wollen, dann können wir (leider) nicht all zu oft 2 Wochen an einem Ort kleben bleiben und wenn er noch so magisch ist.

4 Kommentar bisher

  1. Stefan Leithi via Facebook Autor Juli 20, 2014 (1:52 am)
  2. Peter Brandes via Facebook Autor Juli 20, 2014 (10:40 am)
  3. Fran Autor September 24, 2014 (11:37 am)

    Halo!
    Wirklich guter Artikel :-)
    Ich reise wirklich viel, Mexiko ist ein Paradies und Todos Santos eine Oase reich an Wellness und Schönheit: die Leute sind freundlich und das Essen wirklich gut, also bitte nicht verpassen! Auch Italien hat wunderschöne Strände, Ich gehe meistens hin. Hier kann man noch einen anderen Artikel finden, wenn Sie interessiert sind
    http://www.bravoreisen.com/romagna-und-die-blauen-flaggen.html

    Hab Spaß!

    Antwort an Fran

Trackbacks & Pingbacks

  1. Chabos wissen wer der Babo ist | Cabo San Lucas und San Jose del Cabo | PANAMERICANA {deluxe} Juli 25, 2014 (5:19 am)

    […] wissen wir nicht wo das gehen soll. Also wer chillen möchte sollte woanders hin gehen (Stichwort: Todos Santos). Aber wer feiern will, muss nicht weitersuchen. Die Party geht direkt am Strand […]

Meinungen, Kommentare, einfach mal grüßen? Nur zu..

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