Ein Fischerdorf mit Geschichte | Mulege

Ein Fischerdorf mit Geschichte | Mulege

Noch immer von unserer krassen Begegnung mit den imposanten Grauwalen beschwipst fuhren wir guter Dinge weiter. Nachdem die Laguna San Ignacio an der Westküste liegt fuhren wir nun eben einmal quer über die Baja an die Ostküste.

Santa Rosalia, eine alte Bergbaustadt die für ihre dicht bebauten Häuser im Kolonialstil bekannt ist, war unser nächstes Ziel. Als wir durch die belebten Gassen der Stadt fuhren blieb uns der Charme der Stadt jedoch weitestgehend verborgen. Als uns nach einigen Stunden noch immer keine passendere Beschreibung als “Drecksloch” einfiel, beschlossen wir weiterzufahren.

Entlang der Küste bahnten wir uns den Weg, weiter durch eine der sichtbar niederschlagsärmsten Regionen der Welt. Umso verwunderter schauten wir als wir die zweite Oasenstadt unserer Reise, Mulege, erblickten.

Mulege ist super günstig gelegen weil der kalte nördliche Golf von Kalifornien hier auf den warmen südlichen Pazifik trifft. Dadurch ist der Fischreichtum hier legendär und logischerweise eine wichtige Einnahmequelle und Touristenattraktion in der Region. Fangfrischer Fisch wird auf offenem Feuer gegrillt, mit Limetten betupft und zusammen mit Avocados/Tomaten Salsa und Tacos serviert.

// Geschichtsstunde

Auf den ersten Blick erstaunen einen aber hier vor allem die wuchernden Palmen, Zitronen, Mangos und das Gemüse das hier aus allen Ritzen zu sprießen scheint. Wie bereits in San Ignacio können wir nur schwer begreifen dass wir uns inmitten einer Wüstenregion befinden. Auch hier ist wieder ein Fluss für das Wachstum und das grüne Aussehen der Stadt verantwortlich.

 

Die Stadt war lange isoliert und schwer zugänglich, der MEX Highway Nr. 1 auf der wir Mulege erreichten wurde erst 1976 gebaut. Vor dieser Zeit war Mulege auf dem Landweg nur sehr schwer zu erreichen. Wir kamen mit Franciscus, einem rüstigen älteren Mann ins Gespräch dessen Familie hier seit Generationen lebt und er klärte uns über die Vergangenheit und die aktuelle Situation auf und beklagte sich auch ein wenig über die Regierung die Mulege sehr lange vernachlässigte. Im Gegenzug erzählten wir ihm etwas über die Deutsche Geschichte, nur um zu bemerken dass er verdammt gut informiert ist und sogar einige Worte Deutsch kann.

 

Früher war dieses Örtchen offenbar so verschlafen dass der Knast noch nicht mal Gitter hatte. Die Gefangenen konnten einfach spazieren gehen. Weil sie einerseits nicht großartig abhauen konnten und andererseits ja sowieso ein gediegenes Leben hatten funktionierte das System offenbar.

 

// Hundeleben

Neben Franciscus freundeten wir uns vor allem mit “Struppi” an. Der Hund sah aus als wäre er gerade vom Friedhof der Kuscheltiere auferstanden aber hatte ein Herz aus Gold. Hunde gibts auf der gesamten Baja California en masse und wir haben das Gefühl die meisten werden auch gut versorgt nur eben nicht gerade so behandelt wie man es in Deutschland gewohnt ist.

Das sind weniger flauschige Amigos zum Lieb haben sondern eher Nachtwachen und allgemein Aufpasser. Die Hunde folgen den Besitzern auf Schritt und Tritt doch eine Leine sucht man vergebens. Das tolle ist dass hier echt alle Arten rumlaufen und völlig gleich ob ein Chihuahua oder ein Pitbull deinen Weg kreuzt, die Hunde sind friedlich und freundlich. Auch untereinander verstehen sie sich super und sind bestens sozialisiert.

Auf jeden Fall werden die Köter nicht gerade mit Liebe überschüttet. Wenn ein Hund nicht gerade auf einer Mission mit seinem Rudelsführer unterwegs ist, reicht ein kleines Zungeschnalzen oder Pfeifen unsererseits, um die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Hundes zu erhalten. Als tierliebe Menschen die wir beide sind, können wir nicht anders und wann immer ein Hund so aussieht, als würde einem nicht sofort bei einer Berührung die Hand abfaulen, gibts ne Portion Streicheleinheiten oder ein kleines Spielchen.

// Steg Romantik

Weil Mulege eher auf Fischfang ausgelegt ist gibt es nicht unbedingt so viele schöne Badestrände direkt am Ort. Man hat stets Stege mit Booten, ein Haufen Vögel die auf einen Fischkopf hoffen und das Wasser sah ehrlich gesagt auch nicht so einladend aus. Dafür war der Sonnenuntergang dort spektakulär. Farben so kitschig dass man sich als Mann schon fast schämt hinzuschauen und doch so faszinierend dass man nicht anders kann als das Leben und den Moment zu feiern.

Eine Pracht

Eine Pracht

Farben wie gemalt

Farben wie gemalt

 

// Life`s a Beach

Fährt man weiter nach Süden erwartet einen allerdings eine über 30km lange Buchtenregion die genügend Möglichkeiten zum Schwimmen, Kajak fahren und dem einfachen Relaxen am Sandstrand bietet. Die Bahía Concepción ist aufgrund ihrer natürlichen Schönheit ein beliebtes Ziel bei vielen Touristen und obwohl wir nicht den Eindruck hatten es wäre total überlaufen sahen wir doch Überreste unsere aktuellen Gesellschaft. Müll, das unserer persönlichen Meinung nach größte Problem Mexikos (nach der Kriminalität von der wir bisher verschont blieben), ist auch hier ein Lustkiller.

Wir können nicht verstehen wie man einfach alles an Ort und Stelle liegen lassen kann und dass sich niemand verpflichtet fühlt den Scheiß dann wenigstens am Abend oder meinetwegen einmal die Woche weg zu räumen.

Trotzdem fanden wir glücklicherweise einige Strandabschnitte die einladend aussahen und uns eine willkommene Abkühlung im Nass verschafften. Das campen direkt am Wasser war ebenfalls kein Problem.

 

Die Tage flossen und wir fühlen uns insgesamt einfach Pudelwohl. Oft bleiben wir länger an einem Ort als wir im Vorfeld planten und auf dem Weg von A nach B sehen wir oft etwas wo wir einfach einen Zwischenstop einlegen müssen. Wir sind darüber aber nicht traurig, im Gegenteil: wir freuen uns dass wir so flexibel reisen können und uns nicht nach einem selbst aufgelegten Zeitplan richten müssen und genießen einfach die Zeit.

5 Kommentar bisher

  1. Travel Book via Facebook Autor Juni 20, 2014 (11:41 pm)
  2. Eva Buchmann via Facebook Autor Juni 22, 2014 (10:20 am)

    Bei deinen Bildern und berichten hat man zwei Optionen: Grün anlaufen vor neid oder sich mit euch freuen :-D
    Muss ja zugeben ein bisschen neid kommt tatsächlich auf.. Aber ich freu mich immer wieder von euch zu lesen, einfach schön :-)

    Antwort an Eva Buchmann via Facebook
  3. Heiko Neukirchen Autor Juli 6, 2014 (10:54 pm)

    Koestlich. Herrlicher Schreibstil… :) Habts n Foto von Struppi ?

    Lg
    Heiko

    Antwort an Heiko Neukirchen
    • mh Autor Juli 10, 2014 (7:49 pm)

      Foto nicht aber ein kleines Video :) Ist ja fast noch besser. Werde ich hier noch einfügen bei Gelegenheit und ansonsten kannst auf der FB Seite gucken, dort hatte ich es gepostet. Das war echt ein liebes aber halt total verfilztes Vieh :)

      Antwort an mh

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