Plant man eine Langzeitreise muss man sich zwangsläufig mit einigem an Bürokratie auseinandersetzen. Wenn man noch dazu vor hat mit dem eigenen Fahrzeug zu reisen wird es verständlicherweise nicht weniger. Hier habe ich einmal alle relevanten Infos für Behördengänge und Scheine zusammengefasst.

| ALLGEMEIN |

Reisepass

Für die meisten Länder ist es notwendig dass der Reisepass bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig ist. Grundsätzlich ist der Reisepass 10 Jahre gültig, sollte er also gerade irgendwo am Limit sein, lieber einen neuen beantragen.

In Einzelfällen kann man einen zweiten Reisepass beantragen wenn man Länder bereist die sich gegenseitig nicht grün sind. Das ist auf unserer Route durch Amerika allerdings kein Thema.

Visa und Einreisebestimmungen

Als Deutscher mit gültigem Reisepass braucht man für touristische Kurzbesuche in den Amerikas kein Visum. Da Deutschland Teilnehmer des Visa Waiver Programs (VWP) ist, bieten die USA für Aufenthalte bis 90 Tage das Electronic System for Travel Authorization (ESTA) Verfahren an.

Problematisch: um am ESTA Verfahren der USA teilnehmen zu können muss man unter anderem bereits bei der Einreise wieder ein Ausreiseticket vorweisen können. Bei einer Overlandtour wie unserem Roadtrip ist das natürlich im Vorfeld nicht möglich. Daher haben wir ein Rückflugticket gebucht das wir leider verfallen oder stornieren lassen müssen. Eigentlich sollte das keine Probleme machen, da man selbstverständlich auch auf dem Landweg ausreisen und sich somit korrekt austragen lassen kann.

In allen anderen Ländern Nord- Mittel- und Südamerikas kann man ohne größere Probleme, für touristische Zwecke, 90 – 180 Tagen visafrei einreisen, was für unsere Zwecke reichen sollte

Reisemedizin / Impfungen

Es ist ein Thema dass die Geister scheidet. Impfungen, was ist sinnvoll und was nicht? Für eine Weltreise oder einen Südamerika Trip gibt es klare Empfehlungen. Absolut notwendig ist Gelbfieber und damit meine ich nicht nur aus angebrachtem Eigeninteresse sondern um überhaupt eine Einreise genehmigt zu bekommen. In vielen Südamerikanischen Ländern ist eine nachweisbare Gelbfieberimpfung Pflicht. Die Gelbfieberimpfung gibt es nur bei spezialisierten Ärzten, wie zum Beispiel der Tropen- & Reisemedizinischen Ambulanz in den Kliniken.

Die anderen Impfungen kann man sich bei seinem Hausarzt abholen je nachdem gegen was man sich eben absichern will. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfungen.

Auslandskrankenversicherung

Für einen längeren Auslandsaufenthalt reicht die normale Auslandskrankenversicherung leider nicht aus. Die gesetzlichen Krankenkassen schützen nur begrenzt und in wenigen Ländern, von daher ist eine Auslandskrankenversicherung immer, auch für reguläre Urlaube, unbedingt zu empfehlen. Ich selbst habe meinen Auslandskrankenschutz beim ADAC, weil ich ohnehin Mitglied bin und dort meine Freundin direkt mitversichern konnte, doch diese Auslandskrankenversicherungen sind für eine Weltreise bzw. einen längeren Auslandsaufenthalt sinnlos, da dort nur Auslandsaufenthalte bis 45 Tage abgesichert sind.

Man muss sich also um eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung kümmern. Jede größere Versicherungsgesellschaft bietet entsprechende Policen an und dadurch ist der Markt groß und unübersichtlich. Hinzu kommt dass die Preise je nach Dauer des Aufenthalts, Alter und Ziel der Reise variieren. Ich habe bei meiner Recherche die Erfahrung gemacht dass sobald die USA und/oder Kanada dabei ist, der Preis exorbitant nach oben geht. Grundsätzlich liegt die Preisspanne bei 1 – 15 Euro pro Tag.

Letzten Endes habe ich einen kleinen Trick angewandt. Ich habe einen Langzeitauslandsreiseschutz, bei der HanseMerkur, ohne USA/Kanada gewählt weil wir nicht vor haben länger als 45 Tage in den Staaten zu bleiben und die Reise auch dort beginnen. Das heißt, sollte, Gott bewahre, ein Unfall passieren wären wir, durch unseren regulären Auslandskrankenschutz beim ADAC, abgesichert und müssten nicht unsere Langzeit-Auslandskrankenkasse bemühen.

Aber auch falls man die Reise nicht in den USA beginnt lohnt es abzuwägen. Die meisten Auslandskrankenversicherungen bieten einen so genannten “Heimaturlaub” Schutz von bis zu 6 Wochen (4 Wochen bei der HanseMerkur) an. Dieser Urlaub darf dann eben auch in den, eigentlich nicht versicherten, USA oder Kanada stattfinden. Allerdings ist hier dann zu beachten, dass man eine bestimmte Reisezeit im Vorfeld gebucht und nachweisen muss.

Alles in allem eine tricky Geschichte wenn man das beste Preis/Leistung Verhältnis haben möchte. Wie immer lohnt vergleichen. Ich habe den für uns besten Tarif bei reisepolice.com gefunden.

Unser Tarif: HanseMerkur Auslandskrankenversicherung (RK 365 Spezial) bis 18 Monate für 0,95 EUR pro Tag, Tagegenauer Abrechnung und individuell verlängerbar auf 18 Monate.

Abmelden aus Deutschland

Vorneweg – das ist ein heikles Thema und ich habe bisher niemanden gefunden der mich hier qualifiziert beraten konnte. Auch auf dem Amt gab es widersprüchliche Meinungen und das große Ganze das daran hängt, konnte keiner in Zusammenhang bringen.

In Deutschland haben wir das Meldegesetz das besagt, dass man sich aus Deutschland abmelden muss, wenn es, über einen bestimmten Zeitraum, nicht mehr der überwiegende Aufenthaltsort ist. Es ist also zB egal, ob man in Deutschland Miete bezahlt, wenn man innerhalb dieses Zeitraums sich nicht überwiegend hier aufhält muss man sich laut Definition abmelden. Das ist an sich auch gar nicht so schlecht, denn dadurch spart man sich die Müllgebühren und kommt ohne Probleme aus laufenden Verträgen wie Telefon, Internet, Fitnesscenter usw. raus.

Es hat aber auch gewaltige Nachteile, denn dadurch dass man keinen Wohnsitz mehr hat, ist man faktisch Obdachlos und muss die Adresse vom Ausweis entfernen und einige Versicherungen gelten unter Umständen nicht mehr ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Auch Steuerrechtlich ist das nicht ohne. Ich bin zum einen Teilselbstständig und habe zum anderen ein Sabbatical (Sabbatjahr) angemeldet und bin somit ganz klassisch in Deutschland beschäftigt.

Wir haben uns daher entschieden uns während unseres einjährigen Auslandaufenthaltes nicht aus Deutschland abzumelden. Allerdings muss man beachten, dass man bei nicht zustellbarer Post (Wahlbenachrichtigung) automatisch abgemeldet werden kann. Man sollte daher entsprechende Vorbereitungen treffen. Ein Nachsendeauftrag hilft hier nicht weiter, da diese Post von eigenen Zustellern persönlich ausgeliefert wird.

Nachsendeauftrag

Wenn man seine Wohnung nicht auflöst oder den Wohnsitz zu den Eltern verlegt, sondern wie wir, die Wohnung untervermietet, kann man den Service der Deutschen Post in Anspruch nehmen und einen Nachsendeauftrag für die Post veranlassen. Das geht ganz einfach online und kann bis zu einer Dauer von 12 Monaten eingerichtet werden. Sollte die Reise länger dauern so kann man direkt im Anschluss auch nochmals verlängern. Für Privatkunden ist der Preis mit 24,90€ für 12 Monate sogar erfreulich günstig.

| SELBSTFAHRER |

Carnet de Passages

Ein Carnet ist kein Netz fürs Auto sondern ein Internationales Zoll Dokument fürs Fahrzeug. Es ist grundsätzlich ein Versprechen an den Zoll, dass man sein Fahrzeug einführt es aber auch tatsächlich wieder außer Landes bringt. An einigen Grenzen kann das die Abwicklung erleichtern und ist unter Umständen sogar notwendig um das Fahrzeug temporär einführen zu dürfen.

Entgegen der Homepage des ADAC benötigt man das Carnet de Passages allerdings nicht für Amerika. Weder Nord-, Mittel- noch Südamerika verlangen das Dokument. Jetzt könnte man natürlich sagen man nimmt es einfach mal vorsichtshalber mit aber es ergeben sich zwei Nachteile:

  1. Das Dokument kostet Geld und muss wieder zurückgegeben werden. Bei Verlust kostet es noch mehr.
  2. Laut Internetberichten ist den meisten Grenzbeamten das Carnet de Passages unbekannt und sie sind damit überfordert, weil sie nicht so recht wissen was sie damit machen sollen. Dadurch verzögert sich die Abwicklung sogar.

Wir vertrauen also auf das gute alte Internet und verzichten auf das Carnet!

Führerschein / Internationaler Führerschein

Neben dem normalen EU-Kartenführerschein ist es empfehlenswert einen Internationalen Führerschein zu beantragen. Dieser kann in wenigen Minuten für 15€ und einem Passfoto in der Führerscheinstelle abgeholt werden. Der internationale Führerschein ist nur in Verbindung mit einem gültigen normalen EU-Führerschein zulässig.

KFZ-Haftpflichtversicherung

Unsere normale KFZ Versicherung, mit der grünen Versicherungskarte, gilt in 40 Ländern (davon alle EU Staaten) wird aber im Umkehrschluss in den über 150 verbleibenden Ländern nicht akzeptiert. Daher ist es notwendig für sein Fahrzeug eine individuelle KFZ Versicherung für die zu bereisenden Staaten abzuschließen. Leider gibt es, im Gegensatz zur Reiseversicherung, keine KFZ Haftpflichtversicherung die einfach pauschal alle Länder in Nord- und Südamerika abdeckt. Viele Länder, wie zB Mexiko, Costa Rica, Nicaragua, Belize und Kolumbien, akzeptieren keine Ausländischen- und erfordern eine lokale KFZ-Haftpflichtversicherung. Andere Länder wie Argentinien, Chile, Peru, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Bolivien genau so wie die USA und Kanada können in einem Paket versichert werden. Natürlich spielt USA/Kanada preislich wieder in einer anderen Liga als Südamerika, weswegen ein grober Zeitplan und damit eine ungefähre Vorstellung wie lang man das Fahrzeug in Nordamerika versichern möchte, dem Geldbeutel entgegen kommt.

Wir haben die Auslands KFZ Haftpflichtversicherung für unseren VW T4 bei einem kleineren Versicherer, Karl-Heinz Nowag, abgeschlossen.

Ich habe positiv über ihn gelesen und der Kontakt war tatsächlich sehr nett und unkompliziert. Ich habe die ganze KFZ Versicherungsgeschichte eine Woche vor Abflug, als Kalle schon längst auf hoher See war, im Ruck-Zuck Verfahren durchgezogen. Wir haben 2 Monate USA und 10 Monate Südamerika abgeschlossen. Hat soweit bisher alles wunderbar geklappt.

AIU Versicherungen Nowag
Karl-Heinz Nowag
Platanenring 15b
DE-63110 Rodgau

Tel: +49 (0)61 06 / 1 69 60
Fax: +49 (0)61 06 / 1 35 20
Mobil: +49 (0) 170 / 2 01 32 85
Mail: nowag@t-online.de

Außerdem habe ich noch bei der Tourinsure Versicherung angefragt, die allerdings zum Anfragezeitpunkt (02/2014) keinen Versicherungsschutz in Mittel- und Südamerika anbieten konnten.

TourInsure GmbH
Herrengraben 5
D-20459 Hamburg

Tel: + 49 (0)40 25 / 17 21 50
Mail: service@tourinsure.de

Für die oben genannten Länder, die nicht aus Deutschland aus abgeschlossen werden können, werden wir immer vor Ort eine KFZ Versicherung abschließen. Über unsere diesbezüglichen Erfahrungen werden wir dann in separaten Länder-Posts berichten.

Hinweis
Während des Auslandsaufenthalts kann die lokale KFZ Versicherung pausiert werden. Wir haben unserer RMV Versicherung als Nachweis dazu einfach die Verschiffungsunterlagen zukommen lassen, worauf sie uns ab diesem Zeitpunkt von der Police befreiten.

2 Kommentar bisher

  1. Philipp Autor August 26, 2015 (4:01 pm)

    Hi ihr beiden,

    da wir nächstes Jahr ein ähnliches Projekt vor haben, sind wir momentan in der Planungsphase.
    Wie ich bei euch lesen kann verzichtet ihr komplett auf das Carnet de Passage. Jedoch schreibt der ADAC Südamerika als CdP pflichtig aus.
    Konntet ihr Südamerika tatsächlich ohne CdP bereisen und ging es am Zoll deswegen länger?

    Beste Grüße und weiterhin viel Spaß und eine pannenfreie Reise

    Antwort an Philipp
    • mh Autor Oktober 3, 2015 (3:43 pm)

      Wir hatten kein Carnet dabei und es war niemlas ein Problem. Niemand hat danach gefragt und ich hatte oft das Gefühl es wäre sogar hinderlich gewesen wenn man ein zusätzliches Dokument gezeigt hätte. Viele Grenzen sind mit dem “normalen Übertritt” schon ziemlich gut ausgelastet, da tut zusätzlicher Stress nicht Not! :)

      TL;DR – Carnet brauchst du nicht!

      Antwort an mh

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