Jungfernfahrt mit Durststrecke

Jungfernfahrt mit Durststrecke

Kennt ihr das?

Wenn man gerade so einen Glücksmoment hat weil alles so geil ist und man einfach losjauchzt? Ohja, uns ging es so. Wir haben vor Freude gejauchzt! Grund dafür war Kalle, der Held der Straße, King of the Hill..

Für alle die nicht ganz up2date sind hier erstmal die Fakten:

Man könnte ja meinen dass wir mit Kalle schon durch dick und dünn gegangen sind. Ich meine, wir starten einen einjährigen Roadtrip, verschiffen ihn über den Globus und er hat sogar nen sexy Namen. Wie viele Geschichten werden wir wohl schon gemeinsam erlebt haben? Die Antwort ist – keine einzige! Wobei so ganz stimmt das nicht, denn eine Geschichte verbindet uns nun doch schon und die ist gar nicht mal so schlecht für den Einstieg.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir haben Kalle Anfang Januar ziemlich spontan gekauft, durch den TÜV gejagt, ein bisschen gepimpt, angemeldet und ihn dann bereits Ende Januar nach Bremerhaven gefahren, um ihn mit einem Containerschiff nach Port Hueneme in Kalifornien zu schicken. Turbo Programm. Ausführliche Planung und Vorbereitung sieht definitiv anders aus. Das Zeitfenster wurde durch einen verschobenen Abfahrtstermin des Schiffes sogar so knapp, dass wir Kalle um 6 Uhr in der Früh direkt von der Werkstatt abholten, in der er noch zum Trocknen der Solarpanelen stand, und wir dann direkt von Freiburg nach Bremerhaven gefahren sind. Einmal komplett durch Deutschland, kein schlechter Einstand.

Da saßen wir nun, unsere erste wirkliche gemeinsame Fahrt und es war einfach SAGENHAFT. Kalle schnurrte wie ein liebesbedürftiges Kätzchen und wir blickten von unserer erhöhten Sitzposition, den Schaltknüppel wie ein Zepter in der Hand, mit einem gefälligen Grinsen auf die Straße. Die Sitze, das Fahrwerk, sogar der Geruch, es passte einfach alles. Obwohl wir gerade erst auf unsere Autobahnauffahrt gefahren sind konnten wir die Freiheit die vor uns liegt jetzt bereits fühlen und so trällerten wir jeden Song mit, ohne Rücksicht auf die Textsicherheit.

Wenns am Schönsten ist vergeht die Zeit bekanntlich wie im Flug und trotz des gemächlichen Tempos, Kalle lässt sich nicht gerne hetzen, kamen wir gut voran. Da wir das Fahrzeug bis 22 Uhr vorbei bringen konnten machten wir uns keine Gedanken ob es zeitlich reichen würde aber da ich am nächsten Tag arbeiten musste, wollten wir noch früh am gleichen Abend mit dem Zug zurückfahren und planten daher eine zeitige Abgabe am Hafen. Umso erfreuter waren wir, dass es auf der gesamten Strecke zu keinem nennenswerten Stau kam und wir, trotz Essens-, Pinkelpausen und einer Schneeballschlacht, weit vor der Zeit lagen.

Es gab aber noch etwas anderes was uns während der Fahrt Freude bereitete. Auf etwa halber Strecke zeichnete sich ab, dass es gut möglich sein könnte die komplette Strecke, immerhin knapp 800 km, mit einer Tankfüllung zu fahren. Bei einem Tankvolumen von 80 Liter ist der durchschnittliche Verbrauch für diese überwiegende Autobahnfahrt absolut in Ordnung. Auf jeden Fall packte uns der Ehrgeiz und da man das Fahrzeug für die Verschiffung mit möglichst leerem Tank abgeben sollte, tankten wir eben auch dann nicht nach, als sich die Nadel langsam Richtung Asphalt neigte.

Auf den letzten Kilometern fiel die Nadel aber auf einmal schneller als beim Börsencrash und so abrupt ab, dass wir doch langsam Zweifel hegten, ob der Sprit tatsächlich bis zum Hafen ausreichen wird. Schließlich wollten wir ja nicht auf dem allerletzten Tropfen in den Hafen einfahren und dann in LA erstmal mit einem Kanister anrücken müssen. Wir beschlossen also an der nächsten Tanke in ein paar Liter zu investieren. Gut, die Therorie ist eine Sache, die Praxis eine andere. War es die Möglichkeit? Kilometer für Kilometer sehnten wir, vergebens, eine Tankstelle herbei. Es half alles nichts, im Navi also nach der nächsten Tanke gesucht und diese war dann zum Glück nur 20km entfernt. Hmm, die Tanknadel war nun nicht nur mehr im roten Bereich sondern lag schon fast unten ab und die Kilometer zogen sich und zogen sich. Noch 15 km, noch 10, 7, 5.. und dann wars soweit. Prusten und Husten, Kalle ging der Sprit aus. Oh Mann, Peinlich Peinlich. Erste Tour, Autobahn, kein Kanister und noch 5 km. Hervorragend!

Warnweste und -Dreieck hatten wir vor dem losfahren noch gekauft und so schnell hätten wir mit dem Einsatz der beiden nicht gerechnet, aber wenn schon dann wird gleich alles eingeweiht. Nachdem ich das Warndreieck einige hundert Meter vor Kalle aufgebaut hatte hob ich beim zurück laufen auf gut Glück den Daumen und tatsächlich, ein Auto hielt direkt vor Kalle und bot uns an uns zur Tanke zu fahren.

Der Fahrer stellte sich als Pilot heraus der gerade vom Flughafen auf dem Weg nach Hause war und wir unterhielten uns während der Fahrt richtig nett. Er war sogar so unglaublich gut drauf dass er uns nicht nur zur Tankstelle fuhr, wo wir uns erstmal mit einem (gefüllten) Kanister eindeckten, sondern auch wieder zurück zum Auto. Besser gings wirklich nicht, wir waren keine zwei Minuten gestanden und hatten direkt Shuttleservice zur Tanke und zurück. Herr S. auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank!

Wir haben dann sicherheitshalber trotzdem nochmal die Tankstelle angefahren um weitere 10 Liter zu tanken. Better safe than sorry, wir sind ja nicht lernresistent!

Am Hafen angekommen haben wir den Papierkram abgewickelt und sollten uns mit Kalle an eine bestimmte Position begeben, wir würden dort dann in Empfang genommen werden. Gesagt, getan. Das Problem war nur es war wirklich richtig schweinekalt und es kam einfach niemand. Nach einer halben Stunde habe ich dann doch mal nachgefragt und erfuhr dass das schon etwas dauern kann, immerhin fahren die Jungs hier den ganzen Hafen ab. Na gut, das haben wir verstanden also weiter warten. Während wir in der Kälte ausharrten habe ich mich etwas mit den anderen Wartenden unterhalten die hier ihre schweren Geräte zum Verschiffen abgeben bzw. in Empfang nehmen und wie es der Zufall will hat mich einer der wartenden Leidensgenossen, Til – der auf Wohnmobile aus Singapur wartete, ein paar Tage später auf Instagram zufällig gefunden. Die Welt ist ein Dorf.

instagram-kalle

Nach etwas mehr als einer Stunde in der Kälte habe ich einen zweiten Anlauf unternommen und mich nochmals versichert dass wir hier nicht vergessen wurden. Es stellte sich heraus dass jetzt erstmal Pause ist und in der nächsten halben Stunde nichts läuft. Grmmml. Eigentlich ja alles kein Problem nur hatten wir nun doch so langsam die Zeit im Nacken, weil wir noch mit dem Zug zurück nach Freiburg fahren mussten und wenn wir den geplanten Zug um 19:00 verpassen, fährt der nächste dann erst um 22:00 was bedeutet wir kommen um 8:00 Uhr am nächsten Morgen an und das galt es eigentlich zu vermeiden. Trotzdem haben wir uns gefügt und sind erstmal was mit den Hafenarbeitern Essen gegangen und wurden im Anschluss dann auch tatsächlich noch abgeholt. Der Zeitplan war futsch aber Lars, der Hafenarbeiter der unser Auto entgegen nahm, erzählte uns ein wenig von seinem Alltag hier und wir staunten noch immer über diese abartigen Brocken die sich Schiffe nennen dürfen. Zum Abschied verriet ich Lars noch unsere Blog Adresse und tatsächlich meldete er sich wenige Tage später auf Facebook. Sehr schön, wir haben uns gefreut!

Letzen Endes mussten wir dann doch (den übrigens völlig überteuerten) 22:00 Uhr Zug nehmen und furchtbar langweilige Stunden in einem toten Bremer Bahnhof mit Warten verbringen und insgesamt 3x umsteigen. Als wir dann kurz nach 8:00 Uhr am nächsten Morgen endlich nach Hause kamen habe ich mich frisch gemacht und bin in den Arbeitstag gestartet aber die Vorfreude über das was vor uns liegt entschädigte ausreichend.

6 Kommentar bisher

  1. Anja Autor Februar 19, 2014 (10:38 am)

    Huhu..

    schöne Grüße aus Hamburg!
    Ich wünsche euch eine wundervolle Reise!!!

    Antwort an Anja
    • mh Autor Februar 19, 2014 (5:31 pm)

      Hallo Anja,

      vielen Dank, wir geben unser Bestes. :)

      Noch schönere Grüße zurück aus Freiburg!

      Antwort an mh
  2. Michi Autor Februar 20, 2014 (9:48 pm)

    Mensch MH, du kannst ja ganz tolle Texte schreiben, ich kenn mich auf dem Gebiet ja aus;) hab schon Lust auf mehr, jetzt gehts ja bald los:)

    Es grüsst eine entzückte Deutschlehrerin!

    Antwort an Michi
    • mh Autor Februar 21, 2014 (1:50 am)

      Huhu MIchi, dann lass den Rotstift mal weiterhin schön in der Tasche (oder nur per super-geheimer-freunde-post) :)

      Ja, bald ists soweit! Ich würd ja sagen ich zähl schon die Stunden aber dann kommen am Ende noch die Mathelehrer aus der Versenkung!

      Antwort an mh
  3. Lars Autor Februar 25, 2014 (11:47 am)

    Hallo ihr Drei!
    Das Wetter auf der anderen Seite vom Ozean bekommt Euern Kalle besser als das kalte, nasse Wetter in Fishtown.
    Entschuldige für die etwas längere Wartezeit, Asche über mein Haupt aber wer zuerst kommt der malt bekanntlich zuerst.

    Ich wünsche Euch all Zeit Gute Fahrt.
    Lars aus Fishtown

    Antwort an Lars
    • mh Autor Februar 27, 2014 (8:04 pm)

      Hey Lars, noch sind wir zu zweit. Morgen kommt Kalle an und wir hoffen auf eine schnelle Übergabe.
      Entschuldigung angenommen! Nein, konntest natürlich nix für die Wartezeit.

      Danke dir und Gruß zurück aus LA

      Antwort an mh

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